
In einem Koffer, den jeder Schüler erhält, befinden sich unter anderem ein Planspiel zum spielerischen Kennenlernen der Berufe sowie ein Erste-Hilfe-Set.
Informationen erhalten die Jugendlichen zudem von Partnerbetrieben aus dem Gesundheits- und Sozialbereich. Die Berufsoffensive ist eine Aktion unserer Zeitung und weiterer Partner.
Kaufbeuren Prognosen besagen, dass sich die Zahl der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahren verdoppelt. Viele Unternehmen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich werben deshalb gezielt um Nachwuchs, um dem Mangel an Fachkräften entgegenzuwirken. Oder sie arbeiten bei der Allgäuer Berufsoffensive eng mit den Schulen zusammen, um beispielsweise über die beruflichen Wege in der Pflege aufzuklären.
Der Mittelschule Friesenried und der Marktoberdorfer Don Bosco-Schule wurden die Johanniter als Patenunternehmen zur Seite gestellt, die im Kaufbeurer Raum mit 20 festen Mitarbeitern und 15 Ehrenamtlichen stark in der mobilen Pflege engagiert ist.
Psychische Belastung, Zeitdruck, schlechtes Gehalt – unter diesem Image leidet das Berufsbild. Doch für Michael Schunke stehen die positiven Seiten im Vordergrund. „Dieses Berufsbild ist spannend, interessant, abwechslungsreich und anspruchsvoll“, so der Leiter des Johanniter-Pflegedienstes in Kaufbeuren und im Ostallgäu. „Es hat schon lange nicht mehr nur die Pflege des Menschen zum Inhalt, wie das früher einmal war.“
So vereine eine Pflegefachkraft vielseitige Kompetenzen: Sie brauche Organisationstalent und müsse gut mit den Pflegebedürftigen, Angehörigen und Ärzten kommunizieren können.
Außerdem müsse sie Führungsqualitäten entwickeln, um Mitarbeiter richtig einsetzen zu können, und nicht zuletzt müsse sie Auszubildende, Praktikanten und Pflegehelfer anleiten und qualifizieren. „Reich wird man allerdings nicht“, sagt Schunke lächelnd. Denn noch immer gilt der Beruf angesichts der Verantwortung, Belastung und teils umfangreichen Ausbildung als schlecht bezahlt.
Das soziale Angebot der Johanniter in Kaufbeuren reicht vom Hausnotruf über den Menüservice, von der Grundpflege bis zur hauswirtschaftlichen Versorgung von Patienten, von der Seniorenberatung bis zur Demenzbetreuung im „Café Lichtblick“. Die Mitarbeiter sind mobil, flexibel und betreuen die Patienten in der Regel zu Hause. „Unser Ziel ist es, die Selbstständigkeit der Menschen zu erhalten“, sagt Schunke.
„Wir sind so etwas wie die Brücke nach draußen.“
Das Johanniter-Personal in der Pflege hat je zur Hälfte ein Staatsexamen in der Krankenpflege und eine Pflegehelferausbildung. Anders als in Kliniken oder Seniorenheimen arbeiten die Beschäftigten in der Regel in Teilzeit, da die sogenannte Früh- und Spätversorgung der Patienten daheim im Vordergrund steht.
Während im mobilen Einsatz ein breites Wissen gefordert ist, schreite die Spezialisierung und „Medizinlastigkeit“ an vielen Arbeitsplätzen immer weiter voran, so Schunke, der selbst als Krankenpfleger und Stationsleiter in einem Krankenhaus arbeitete und heute auch als Lehrer sein Wissen in der Pflegeausbildung weitergibt. „Dies wertet den Beruf aber weiter auf.
“ Schunke ist sich sicher: Kaum ein Bereich biete so viele Entwicklungsmöglichkeiten wie die Pflege.