Die Rose sei ein Sinnbild für Reinheit und Keuschheit, für Schönheit und Liebe, für Harmonie und Balance. «Sie verbindet damit auch das Unvereinbare und verschenkt ihre sanfte Kraft.» Gundula Klemm (52) steht diesen Gewächsen nahe, zweifellos. Unter dem Namen «Die Rosenflüsterin» gestaltet sie Gärten, plant ganze Anlagen, befasst sich aber auch mit Detaillösungen. «Ein Garten ist ein Wohnzimmer in der Natur, ein Ort zum Wohlfühlen, zum Leben», sagt die Kaufbeurerin, die vor Jahren als Quereinsteigerin begann, ihr gesammeltes Wissen weiterzugeben.
Ihr eigener terrassenförmig angelegter Garten in der Äußeren Buchleuthenstraße, den sie als «gepflegte Wildnis» bezeichnet, ist dabei so etwas wie ihr «Lehrmeister». Eine Art Spielwiese, durchsetzt mit Blumen, Sträuchern, Stauden und Gräsern, die ihre Philosophie zum Ausdruck bringt, welche einst der schottische Gartenkünstler Ian Hamilton Finlay formulierte: «Ein Garten ist etwas, mit dem man einen Teil der Welt in Ordnung bringen kann.»
Mit holzschnittartigen Konzepten, mit Gartendesign, kann sie freilich wenig anfangen. Trends, die jährlich bei der international maßgeblichen Londoner Gartenbaumesse «Chelsea Flower Show» ausgerufen werden, schlagen sich nicht in ihren Konzepten nieder. «Maßgeblich ist bei mir die Harmonie», sagt sie. Ein zeitloses Kriterium.
Formen, Farben, Düfte - all das soll zu den Menschen, zu Haus, Umfeld, Klima und zueinanderpassen, wobei Kontraste durchaus erwünscht sein können: Ein wilder, aber liebevoll gehegter Blumengarten? Warum nicht? Eine gepflegte Rasenfläche? Auch gut. Beides gemeinsam kann ihrer Ansicht nach die gewünschte Harmonie in die Gestaltung bringen. «Ein Garten als reines Statussymbol ist dagegen mit mir nicht zu machen», sagt Gundula Klemm.
Bei ihrer gestalterischen Arbeit greift sie nicht auf Wissen aus dem Lehrbuch zurück, sondern arbeitet - wie sie sagt - intuitiv. Die Erkenntnisse aus ihren Beobachtungen, den Gesprächen und der Analyse gießt die Kaufbeurerin schließlich in ein «stimmiges Konzept», so wie derzeit für ein Seniorenheim in Oberbayern. Dort soll ein «Garten der Sinne» künftig die Bewohner ansprechen.
Kombiniert würden dort praktische Vorgaben wie die Begehbarkeit und Sicherheit mit Ruhezonen, «Insektenhotels», Wasserspielen, Duftpflanzen und einem «Naschgarten». Gundula Klemm nennt die Ausarbeitung eine «spannende Aufgabe», in der die Bedürfnisse der Senioren im Mittelpunkt stünden.
Eine Arbeit, die für die «Rosenflüsterin» wie so oft auch mit großem Termindruck zusammenhängt. In ihrem Arbeitszimmer bedecken unzählige Skizzen den Boden. Die besten Ideen kommen ihr aber nicht an Computer und Zeichenbrett. Manchmal zieht sie sich zur Arbeit in ihren Garten zurück, wo zahlreiche Rosen ihre Schönheit entfalten. «Das», sagt sie, «öffnet mir den Blick für das Wesentliche.»