
Hohe Ausgaben also, die auf den Freistaat Bayern zukämen. Bosse will es der Staatsregierung deshalb „so leicht wie möglich machen“, dennoch eine Hochschule in Kaufbeuren zu etablieren.
Und darum startet er eine „Gründungsinitiative für eine Hochschul-Außenstelle“. Dies kündigte das Stadtoberhaupt beim Neujahrsempfang der CSU Kaufbeuren am Freitagabend im Kolpinghaus an.
Bosse setzt dabei sowohl auf ideelle als auch finanzielle Unterstützung von Institutionen und Privatpersonen. Er will alle gesellschaftlichen Kräfte in die Initiative einbinden. Die Hochschule ist seiner Auffassung nach die einzige Möglichkeit, den Verlust der Luftwaffenschule in Kaufbeuren zu kompensieren.
Ob der Campus jedoch auf dem Gelände des Fliegerhorstes, wo es bereits 253 Lehrsäle gibt, oder anderswo entstehen könnte, ist laut Bosse derzeit noch unklar. Er sei für alles offen. Unterstützung erfährt Kaufbeuren bereits von Kemptens Hochschulpräsident Professor Dr. Robert F. Schmidt.
Und auch im Wissenschaftsministerium wurden die Kaufbeurer bereits vorstellig. Bosse erklärte beim Neujahrsempfang, die Hochschule könnte die Bereiche Alterswissenschaften, Gesundheit sowie eventuell Kinder- und Jugendpsychiatrie abdecken.
Anknüpfungsmöglichkeiten gebe es bei vorhandenen Einrichtungen, wie dem Bezirkskrankenhaus in Kaufbeuren und der Kurstadt Bad Wörishofen.
Auch der bayerische Finanzstaatssekretär und Kaufbeurer Landtagsabgeordnete Franz Pschierer sieht in der Hochschul-Außenstelle ein mögliches Alleinstellungsmerkmal für Kaufbeuren. Zudem will Pschierer weiter für den dauerhaften Verbleib der Finanzhochschule kämpfen. Die Staatsregierung sei bereit, Kaufbeuren zu helfen, um den Abzug der Bundeswehr zu verkraften, versicherte Pschierer.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer forderte er auf, sich „noch besser persönlich“ für einen raschen vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 12 von Kaufbeuren bis zur Autobahn 96 einzusetzen. Bosse sah erstmals einen Weg, diesen lang ersehnten Ausbau „schnell zu erreichen“.
„Als Buhmann missbraucht“
Neben der Schließung des Fliegerhorstes bezeichnete Bosse die Zukunft der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren als zweites großes Thema des Jahres 2011. „Kaufbeuren wurde hier als Buhmann missbraucht“, sagte Bosse mit Blick auf die „längst überfälligen Reformen“ im Kommunalunternehmen, das der Stadt und dem Landkreis Ostallgäu je zur Hälfte gehört.
Die Stadt hält sich laut Bosse aus dem am 12. Februar anstehenden Bürgerentscheid zur Zukunft der Kliniken im Ostallgäu raus. „Wir werden vernünftig und verantwortlich mit dem Ergebnis umgehen“, versicherte er. Der OB rechnet im Verbund mit einem jährlichen Defizit der Krankenhäuser von vier Millionen Euro.
Eine weitere Sanierung sei in einem ersten Schritt hin zu einer vernünftigen Struktur nicht möglich gewesen, „sonst hätten wir Bürgerkrieg gehabt“, so Bosse.
Pschierer hob in seinem Grußwort die „Kompetenz der CSU“ in den Bereichen Wirtschaft, Finanzen, innere Sicherheit, Bildung und Kommunalpolitik hervor. Er sprach sich erneut für einen Neubau eines Grünen Zentrums in Kaufbeuren aus.
„Weil wir Mutbürger und nicht Wutbürger sind, lasst uns anpacken“, die Probleme „mit fröhlichen Herzen“ zu lösen, gab der Bundestagsabgeordnete und Kaufbeurer CSU-Vorsitzende Stephan Stracke den zahlreichen Gästen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens in Kaufbeuren und dem Ostallgäu mit auf den Weg für das Jahr 2012.