Das Personal wolle man auf jeden halten, so Bosse: «Wir versuchen, für jeden Mitarbeiter Perspektiven zu entwickeln.» Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben. Ziel sei auch, Chefärztin Dr. Michaela Knestele mit ihrem Wundzentrum «im Verbund zu halten».
Die Gefahr, dass nach dem Schließungsbeschluss und dem daraus resultierenden tiefen Zerwürfnis zwischen der Kaufbeurer Seite und dem größten Teil der Ostallgäu-Vertreter der Verwaltungsrat nicht mehr funktionsfähig sein könnte, sieht der Vorsitzende nicht: Die Arbeit gehe «ganz normal» weiter, man müsse weiter «professionell» und «vernünftig» agieren.
Laut Bosse hat Kienbaum den Auftrag, nach einer Nachnutzung für das Haus Marktoberdorf zu suchen. Ziel sei eine «vernünftige Nachnutzung mit dem Medizinstandort Marktoberdorf». Darüber will man bald mit niedergelassenen Ärzten sprechen. Auch wären für ihn, so Bosse auf Nachfrage der AZ, die bisherigen Belegärzte Dr. Norbert Friedl (Urologie) und Dr. Hans Breitruck (Endoprothetik) in dem künftigen Haus «vorstellbar». Der künftige Medizinbetrieb dürfe aber nicht in direkter Konkurrenz zu den Verbundhäusern stehen.
Weshalb keiner der Rettungsvorschläge des Marktoberdorfer Krankenhausfördervereins zum Tragen kam, begründete er damit, dass alle «auf Marktoberdorf fokussiert» gewesen seien. Man habe alle Vorschläge untersucht und bewertet.
Antrag: Geriatrie und Notfallambulanz rund um die Uhr
Wie berichtet, gibt es bereits einen Antrag, im Marktoberdorfer Haus das Geriatriezentrum des Landkreises und der Stadt Kaufbeuren einzurichten. Gestellt wurde er von der CSU-Kreisvorsitzenden Angelika Schorer, dem Verwaltungsratsmitglied Dr. Christian Alex (CSU) und vom externen Mitglied Dr. Hans Ketterl. Für die Geriatrie soll eine Betreibergesellschaft gegründet werden. Finanziert werden soll sie mit den Mitteln, die ursprünglich für eine Geriatrie in Füssen vorgesehen waren.
Darüber hinaus soll das Kommunalunternehmen «Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren» zusammen mit niedergelassenen Ärzten in Marktoberdorf eine Gesellschaft für ein Medizinisches Versorgungszentrum (MEZ) mit 24-Stunden-Notversorgung gründen. Dieses könnte, so die Antragsteller, den dort ambulant operierenden Ärzten die nötige Infrastruktur einschließlich Betten zur Verfügung stellen. Ähnliches ist auch für Obergünzburg und die anderen Klinikstandorte vorgesehen.
Auch Wundambulanz und Endoprothetik
Ferner soll die Wundambulanz von Dr. Michaela Knestele, die eigentlich nach Buchloe hätte umziehen sollen, über das MEZ in der Kreisstadt weiterbetrieben werden, so Schorer, Alex und Ketterl. Zudem gehen sie auf die bisher von Belegärzten praktizierte Endoprothetik im hiesigen Krankenhaus ein.
Diese Ärzte könnten künftig sowohl im MEZ als auch im neuen Endoprothetikzentrum Obergünzburg tätig werden, so ihre Vorstellung.
Als der Antrag in der vergangenen Woche bekannt wurde, hatte Verwaltungsratschef Bosse ihn gegenüber der AZ als schlüssig und konstruktiv bezeichnet.