Bereits Ende der 1990er Jahre hatte Bosses Amtsvorgänger Andreas Knie einen Rundwanderweg errichten wollen. Im Kaufbeurer Haushalt sind auch jetzt 170000 Euro für die Schaffung der Trasse vorgesehen. Wie mehrfach berichtet, scheitert dies aktuell daran, dass ein Anlieger auf der westlichen Seite des Sees, an der B16, nicht im ausreichenden Maß Grund verkaufen will. Es fehlt also ein Stück des Weges. Laut OB Bosse spricht der Besitzer auch nicht mehr mit der Stadt. Als Alternative war diskutiert worden, in dem betreffenden Bereich einen Steg zu errichten, sodass Rundwanderer quasi innerhalb des Sees an dem betreffenden Grundstück vorbeilaufen können.
«Mich stört nun: Wenn ich einen Mehrwert am Bärensee schaffe durch den Rundwanderweg, dann ziehe ich mehr Verkehr an. Das brauche ich nicht», meinte ein Mann aus Hirschzell. Peter Konrad, Vorsitzender vom Kaufbeurer Fischereiverein, betonte, dass die Fischer absolut gegen den Bau eines Steges seien, weil dieser durch einen sensiblen Bereich der Natur führe. Dr. Christoph Greifenhagen, der zahlreiche Führungen durch die Natur veranstaltet, kritisierte ebenfalls die Steglösung. Den wollten auch jene Grundstücksbesitzer nicht, die bereit seien, einen Teil ihres Grundes für einen Rundweg herzugeben. «Die blicken dann statt auf den See auf einen Steg.» Ansonsten sei das Konzept Immlers aber ausgezeichnet. Eine Frau wiederum warnte beim Ausbau des Rundwanderweges vor den «Hinterlassenschaften von Hunden und Menschen».
Das brachte eine andere Bürgerin auf die Palme: «Sind Sie schon mal um den Hopfensee gelaufen. Ist das so schlimm dort? Wir sind so engstirnig», meinte sie, packte wütend ihre Sachen und verließ den Saal. «Typisch Kaufbeuren. Bloß nichts verändern», meinte ein Mann sarkastisch. Kaufbeuren verkomme so zur reinen Schlafstadt.
Die Zahl der Bewahrer und der Veränderungswilligen hielt sich bei dem Infoabend in etwa die Waage. Für OB Bosse ist klar: Er möchte auf jeden Fall eine Veränderung, die sich zunächst in einem Rundwanderweg zeigen solle. Er wolle sich auch von einem kategorischen Nein bei Grundstücksfragen nicht abbringen lassen. Der Rathauschef zeigte aber auch Verständnis dafür, dass es Bürger gebe, die alles so lassen wollen, wie es ist. Um ihren politischen Willen zu artikulieren, sollten diese notfalls auch eine Bürgerinitiative gründen.
Der Hirschzeller Planer und Bärenseefreund Toni Immler möchte bei der Umsetzung des Konzeptes ebenfalls nicht locker lassen, wobei es ihm nicht ausschließlich um den Rundweg, sondern um das Ganze geht.
Abschließend betonte Bosse, dass das Konzept noch dem Stadtrat vorgestellt werde, der darüber dann befinden müsse. Aus Kostengründen könnten viele Aspekte aber erst im Laufe der Jahre überhaupt realisiert werden.