Das Schicksal der beiden Flüchtlinge hatte in Kaufbeuren wie berichtet viele Menschen bewegt. Ersan und seine Mutter Nurije (36) waren im Jahr 2006 wegen massiver Ausschreitungen der albanischen Dorfbevölkerung nach Deutschland gekommen. Bis zum Schluss hatte die Familie eigenen Angaben zufolge panische Angst, in den Kosovo zurückzukehren. Vor Diskriminierung der Roma dort warnen der Kaufbeurer Asylkreis, Menschenrechtsorganisationen, Bündnis 90/Die Grünen und der Bayerische Flüchtlingsrat.
Es gibt nach Ansicht des Asylkreises kein funktionierendes familiäres Netzwerk für Ersan und Nurije in dem von Kriegsfolgen geprägten Land. An dieser Situation ändere auch ein «Rückführungsabkommen» zwischen Deutschland und dem Kosovo nichts, das dort den Schutz dieser Minderheit garantieren soll. «Die Abschiebung war legal, aber vermeidbar», zeigt sich Elisabeth Herzog überzeugt.
Ersan und Nurije seien in Kaufbeuren integriert gewesen; in ihrer vermeintlichen Heimat fühlten sie sich nun wie Fremde.
Kontakt zu der Familie hält der Asylkreis über die Außenstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Nürnberg in Pristina. In einem Brief beschreibt die Hilfsorganisation die Situation dort: «Leider kennen die beiden in Pristina niemanden und sind recht einsam. Am meisten hat Ersan unter der Situation zu leiden. Er wirkte beim ersten Besuch sehr deprimiert.» Der Bub sei immer ernst gewesen. Das erste Mal habe er gelächelt, als er für einen Nachmittag in eine Kindergruppe gebracht wurde.
Mithilfe der AWO hatten Ersan und Nurije nach ihrer Ankunft vorübergehend eine Wohnung zugewiesen bekommen. Ebenso erhalten sie vorläufig einen monatlichen Geldbetrag. Viel mehr ist derzeit nicht bekannt. Demnächst möchten zwei ehrenamtliche Helfer des Kaufbeurer Asylkreises nach Pristina reisen, um die Familie zu unterstützen. Dabei geht es laut Elisabeth Herzog vor allem um die Frage der weiteren finanziellen Hilfe, ob die Familie in der Wohnung bleiben und wie der nur Romani und Deutsch sprechende Ersan eine Schule besuchen kann.
Viele zurückgekehrte Kinder gehen nach Erfahrungen der Allgäuer Europaabgeordneten Barbara Lochbihler (Grüne) dort nämlich überhaupt nicht in den Unterricht. Auch die Sorge vor gesellschaftlicher Ausgrenzung der Roma ist nach wie vor groß. «Vor allem wollen wir mit unserem Besuch zeigen: Ihr seid nicht vergessen», so Elisabeth Herzog.