Nach ersten Ermittlungen gingen die zehn rechtsgerichteten Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 27 Jahren gegen 2.30 Uhr völlig grundlos mit Schlägen und Tritten auf die beiden Passanten los. Auch zwei andere Personen, die ebenfalls zufällig dieser Gruppe begegnet waren, wurden ohne Anlass angegriffen, blieben nach Angaben der Polizei jedoch unverletzt. Noch ungeklärt war gestern, ob der pöbelnden Gruppe ein weiterer Vorfall gegen 1 Uhr zugeschrieben werden kann. Dabei wurden zwei 25-Jährige von einer jungen Frau, die ebenfalls in einer Gruppe unterwegs war, geschlagen.
Laut Owsinski müssen die weiteren Ermittlungen zeigen, was die Rechtsradikalen nach Kaufbeuren geführt hat. Bekannt ist, dass die Gruppenmitglieder aus dem Großraum München und Augsburg sowie aus Oberbayern, Oberfranken und dem Allgäu kamen. Sie waren bereits vor der Schlägerei aufgefallen. Zeugen berichteten von Parolen mit rechtsradikalen und gewalttätigen Inhalten. Die Polizei leitete eine Fahndung ein und konnte die Gruppe stellen. Der Hauptverdächtige, ein 25-jähriger Versicherungskaufmann aus Neubiberg, war mit zwei Promille Atemalkoholgehalt stockbetrunken. Die Polizeibeamten mussten sich handfeste Beleidigungen anhören, während sie die Personalien der Verdächtigen aufnahmen.
Einen Zusammenhang mit einem Konzert vor zwei Wochen, bei dem zahlreiche Besucher aus dem rechten Spektrum nach Kaufbeuren gereist waren, sieht Owsinski nicht. Nur ein Großaufgebot der Polizei konnte damals Randale verhindern. Das Konzert einer szenebekannten Bremer Band habe mehr oder weniger zufällig in Kaufbeuren und ohne Kenntnis des Halleneigentümers über die Besucherklientel stattgefunden. Nach Angaben der Polizei gibt es in Kaufbeuren zwar einen «gewissen Personenkreis», der dem rechten Spektrum zugerechnet wird. Dieser sei aber nicht außergewöhnlich groß oder auffällig. «In meiner Wahrnehmung gibt es in der Stadt keine verfestigte Szene», sagt auch Oberbürgermeister Stefan Bosse. Dennoch müsse man aufmerksam sein.