Die Menschen werden immer älter und insofern kommen auch immer mehr Fragen zum Thema Pflege im Alter auf. Hauptbedürfnis der Senioren - das ergaben Befragungen in der Stadt - ist, möglichst lang in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Das Pflegenetzwerk, das nun im Rathaus offiziell vorgestellt wurde, soll dazu beitragen, dass unter anderem das möglich gemacht wird. Des Weiteren bietet es Hilfestellungen für Angehörige, auf die oft ein großer Wust an Aufgaben zukommt, wenn zum Beispiel die Großmutter oder der Großvater dement geworden ist. Gerade für den Bereich Altersvergesslichkeit gibt es neue gesetzliche Regelungen mit mehr Versorgungsleistungen, so Wolfgang Vater, Leiter der Blauen Blume Schwaben. «Viele wissen das aber nicht.» Auch in solchen Fällen soll das Pflegenetzwerk Abhilfe schaffen.
Der Vorteil: Wer Informationen braucht, kann zu einer der drei Anlaufstellen gehen (siehe Infokasten). Diese arbeiten künftig noch enger zusammen. Zwar hat jede dieser Stellen einen Schwerpunkt. Trotzdem soll der Bürger «nicht von Pontius zu Pilatus» geschickt werden. Der Mitarbeiter der jeweiligen Stelle holt alle Informationen ein, so dass «alles aus einer Hand kommt», wie Johannes Keppeler, Seniorenbeauftragter der Stadt, betont. Der Bürger hat es somit nur mit einem Ansprechpartner zu tun.
Hintergrund der neuen Entwicklung ist der Pflegestützpunkt, der in 60 bayerischen Kommunen modellhaft eingerichtet werden sollte. Das war Kaufbeuren aber zu teuer. Man hätte Räume anmieten und Fachpersonal einstellen müssen, das es in den drei Partnereinrichtungen von der Kompetenz her schon gab.
Kaufbeuren erhält deshalb keinen Pflegestützpunkt, sondern initiierte alternativ ein Pflegenetzwerk, das im Prinzip genau die Aufgaben eines Pflegestützpunktes bewältigt. «Unser Angebot ist einzigartig in Bayern», wie Josef Bauer, Direktor der AOK Kaufbeuren/Ostallgäu, betont.
Fakt ist, dass sich bislang nur 14 von 60 Städten oder Landkreisen fanden, die in dem vom Gesetzgeber geforderten Sinn einen Pflegestützpunkt aufbauen. «Es gibt in Bayern 14 körperliche Pflegestützpunkte und einen Virtuellen - und das sind wir», so Bauer weiter.
Sozialreferent Markus Pferner ist sich sicher, dass Kaufbeuren nun die günstigere und zugleich bessere Lösung für seine Bürger gefunden hat. Derweil gebe es schon erste Anfragen von anderen Kommunen, die interessiert an dem Kaufbeurer Konzept sind und es vielleicht übernehmen wollen, so der Seniorenbeauftragte Keppeler. (mab)