Beginnend beim Turmbau zu Babel, bei dem - wie in der Bibel nachzulesen - Gott die Universalsprache der Menschen verwirrte und damit den Grundstein legte für kulturelle, sprachliche und gedankliche Vielfalt begleitete die Referentin ihre Zuhörer über abstrakte Begriffe, platonische Ideenwelt oder «mittelalterliche Universalien» in die Logik aktueller Philosopie-Lehre.
Vor allem Ludwig Wittgenstein habe mit seinem «Traktatus» die damalige philosophische Welt revolutioniert «und die jungen Gehirne erschüttert», betonte Willems-Pisarek. Er führte die gängige Lehrmeinung «Wir sagen das, was wir denken» ad absurdum und entlarvte das Wort als «kontextabhängiges» Kommunikationswerkzeug. So seien wir «Sklaven der Sprache (und der Kultur), in der wir erzogen wurden».
Was außerhalb unserer Sprache liegt, könnten wir gar nicht denken und unterschiedliche Lebensformen nur bedingt kommunizieren, befindet Wittgenstein.
Bewegen wir uns also «als Surfer auf den Wellen des Chaos» in geschlossenen Kapseln ohne gemeinsame Kommunikationsplattform? Oder mache sich die «transversale Vernunft» (Welsch) breit, die sich - wie Wurzel-Unkraut im Garten - verflicht und vermehrt und neues Denken aus der Vielfalt und dem Widerstreit der Kulturen schafft? Womit die Referentin dieses «ganzen philosophischen Salats» (Originalton Magdalena Willems-Pisarek) bei der Kunst gelandet war. Diese lehre uns «Vielfalt, Relativität und parallele Realitäten».
Schließlich gäbe es das «Unsagbare» zitierte sie wieder mal Wittgenstein - und die wichtigen Dinge stünden hinter der Grenze der Sprache und «dort steht, zumindest mit einem Bein, die Kunst». Durch das große Erlebnis der modernen Kunst werde die transversale Vernunft herauskristallisiert - sie erschaffe (laut Welsch) «den neuen Menschen» jenseits der konventionell eingeübten linearen Vernunft.
Spät wars geworden - und kalt - in der Sonthofer Markthalle und dennoch waren jede Menge Diskussionsfeuer gezündet.