
Alexandra König (40) stammt aus Altstädten und hat sich dort schon für die Trachtensache engagiert: Sie war zwanzig Jahre Plattlerin. Mit der Heirat kamen der Umzug nach Oberstdorf und der Eintritt in den Oberstdorfer Trachtenverein. Vor drei Jahren hat sie ein Amt im Vorstand der IG Tracht übernommen und ist seitdem als Kassiererin für die Finanzen des Gauverbandes zuständig, zu dem 26 Vereine mit über 7000 Mitgliedern gehören.
Wichtige Einnahmequelle sind die Mitgliedsbeiträge der Vereine, dazu kommen Zuschüsse und Spenden. Auf der Ausgabenseite stehen unter anderem die Zuschüsse des Gauverbandes an seine Vereine. Die Zuschussanträge an Landkreis und Sparkasse schreibt Alexandra König immer im Frühjahr. Die Zusammenarbeit mit den Vereinen und mit dem IG-Vorstand sei sehr gut, sagt sie.
Zu den großen Veranstaltungen der IG Tracht gehört das alljährliche Jugendtrachtentreffen in Oberstdorf. „Weil wir eine eigene Halle haben und weil die Mitglieder und die Vereine bei der Bewirtung tatkräftig mithelfen, haben wir bei dieser Veranstaltung keine große Kosten“, berichtet König. Rund 500 junge Plattler und Musiker aus dem Gauverband waren im Herbst mit dabei und haben auf der Bühne gezeigt, was sie können.
Krönender Abschluss des Jugendtrachtentreffens ist traditionell das große Bonbonwerfen. Knapp 30 Kilo Süßigkeiten, verteilt auf zwei kleine und sechs große Waschkörbe, hat die IG in diesem Jahr an ihre engagierte Trachtenjugend verteilt.
Die Königs sind eine Familie, in der Brauchtum gelebt wird und in der man sich der Verantwortung für den Erhalt der Traditionen bewusst ist. Da gibt es kein Halloween und keine dicken roten Weihnachtsmänner, und auch beim alljährlichen Aufrüsten mit bunter Weihnachtsbeleuchtung rund um Haus und Hof macht Familie König nicht mit. „Das gehört nicht hierher.“
Es seien ohnehin schon einige Traditionen verloren gegangen, kritisieren Hans und Alexandra König. Das Karfreitagsratschen der Ministranten gebe es heute nur noch vereinzelt. Genauso wie die Besuche maskierter Kinder an Fasnacht. Früher habe man an den Türen einen Spruch aufgesagt und mit ein paar Süßigkeiten bekommen. „Die alten Fasnachtsprüche kennt man kaum noch.“
Nur für Nachkommen
Hans König war früher lange bei der Historischen Tracht und ist heute Wilde-Mändle-Tänzer. Seine Frau kümmert sich um das „Häs“ aus Tannenbart, und die Familie verzichtet auf den Vater, der im Wilde-Mändle-Jahr mit Proben und Auftritten gut ausgelastet ist.
Beim Wilde-Mändle-Tanz dürfen nur die Nachkommen alter Oberstdorfer Familien mitmachen. Vielleicht sind später auch die beiden König-Söhne Lukas (13) und Tobias (10) mit dabei. Die beiden spielen echte Volksmusik auf der Club-Harmonika, sind im Trachtenverein bei den Plattlern und überdies begeisterte Skispringer.