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Oberjoch | Von Michael Mang | 25.06.2009 18:42 Uhr

Kann Rohmilch vor Allergie schützen?

Konferenz - Experten diskutieren am Oberjoch, wieso Landkinder weniger anfällig für allergische Erkrankungen sind

Weil sie Rohmilch trinken und im Stall spielen, sind Bauernkinder weniger anfällig für allergische Erkrankungen als ihre Altersgenossen in der Stadt. Das erklärte Prof. Dr. Erika von Mutius bei einem Expertengespräch in der Klinik Santa Maria am Oberjoch. Die Wissenschaftlerin der Kinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München untersucht in ihren Studien, welche Stoffe in der Milch und im Stall dafür verantwortlich sein könnten, dass die Kinder gegen allergische Erkrankungen «abgehärtet» werden.
Kann Rohmilch vor Allergie schützen?

Zahlreiche bedeutende Allergologen aus ganz Deutschland und Vertreter mehrerer Bundes- und Landesbehörden waren zu dem Expertengespräch gekommen, um über die unterschiedlichen Einflussfaktoren in städtischen und ländlichen Räumen auf das Entstehen von Allergien zu diskutieren.

Dreck ist nicht gleich Dreck

«Man kann nicht pauschal sagen, dass es für die Kinder gut ist, im Dreck zu spielen», sagte Prof. Dr. Ulrich Wahn von der Charité Berlin. «Das kommt ganz auf den Dreck an», bestätigt auch er die These, dass nur einzelne Substanzen für die positive Entwicklung verantwortlich seien. Der Mediziner verwies auch auf die unterschiedlichen genetischen Voraussetzungen für eine Allergie. «In der Wiege herrscht keine Chancengleichheit», sagte er.

Wahn forderte, die präventive Behandlung gerade bei Kindern zu verbessern und warnte davor, dass sich aus einer Hühnereiweiß- und Hausstaubmilben-Sensibilisierung eine Asthma-Erkrankung entwickeln könne.

In Deutschland leiden derzeit mehr als 30 Prozent der Menschen an Allergien und die Zahl steigt weiter an. «Die Menschen müssen besser informiert werden», forderte Marliese Köster, Vorsitzende des Deutschen Allergie- und Asthmabundes. «Viele Studien haben die Patienten eher verunsichert.»

Auch Dr. Gerd Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sprach sich dafür aus, besser aufzuklären. Gerade in der Prävention liege der Schlüssel, um die «Volkskrankheit Allergie» zu bekämpfen. «Um die Behandlungen zu verbessern, ist es notwendig, die Wissenschaft besser mit der Behandlungspraxis zu vernetzen», sagte Müller.

Aus diesem Grund regte er an, ein Forschungsinstitut am Oberjoch zu errichten. Dafür sei der heilklimatische Kurort über dem Ostrachtal ideal geeignet. Das Oberjoch sei auf Grund seiner speziellen Höhenlage einer der renommiertesten Genesungsplätze für Atemwegsallergien in ganz Deutschland. Die Rehaklinik Santa Maria am Oberjoch behandelt Atemwegserkrankungen wie Asthma, Allergien, Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen. Durch seine Lage auf 1200 Metern sei der Ort ein Reinluftgebiet, arm an Pollen und frei von Hausstaubmilben, erklärte Chefarzt Dr. Hartwig Höhre. Auch Prof. Dr. Johannes Ring von der Klinik für Allergologie am Biederstein in München hob die Luftqualität hervor. «Leider können wir nicht alle deutschen Kinder ans Oberjoch umsiedeln», sagte er.

So bleibt den Wissenschaftlern nichts anderes übrig, als weiter zu forschen. Und wenn sie dafür im Stall wühlen müssen.

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