Oberstdorf «Mein bisher größter Erfolg ist der Gewinn des dritten deutschen Meistertitels in Folge», sagt Alexander Kämpf vom EC Oberstdorf stolz. In den letzten Jahren bewies das Curling-Talent mit seinen Team-Kollegen eindrucksvoll, dass die Mannschaft zur deutschen Spitze gehört. Aus dem Oberallgäu, Füssen und Hamburg bilden die Nachwuchs-Curler ein starkes Team. Drei Siege und ebenso viele Niederlagen in der Vorrunde der EM (Rang vier) machten eine Teilnahme bei der diesjährigen Junioren-WM vom 5. bis 14. März in Flims (Schweiz) einen Strich durch die Rechnung. Aber in der kommenden Saison will das Team um Skip Konstantin Kämpf wieder angreifen.
Drei Mal pro Woche trainiert Alexander mit seinen Kollegen in Oberstdorf und Füssen. Das Team wird von Bundesnachwuchstrainer Martin Beiser aus Oberstdorf und Mannschaftstrainer Markus Angrick optimal auf die vielen Wettkämpfe und Turniere vorbereitet. «Dienstags bis donnerstags trainieren wir auf dem Eis», erzählt Alexander. Die anschließenden drei Tage ist er mit seinen Teamkollegen meist unterwegs. «16 Wochenenden waren wir in diesem Winter schon auf Wettkämpfen und Turnieren.» Die Curler haben eine lange Saison. Ende September gehts los und bis in den Mai dauern die Turniere. Da kommt das zusätzliche Training im Winter etwas kürzer. «Im Sommer gehen wir meist ein Mal wöchentlich aufs Eis. Den Rest der Zeit nutzen wir fürs Kraft- und Ausdauertraining», erklärt der 18-Jährige. Oft steigt Alexander auch aufs Rad und das meist alleine.
«Die anderen Curler müssen teilweise noch arbeiten. Ich habe Sommerferien», erzählt der Sonthofer, der die 13. Klasse des Gymnasiums in der Kreisstadt besucht. Ein Mal pro Woche treffen sich die Leistungssportler auf dem Eis zum Grundlagentraining. Dann, wie auch in den Trainingsstunden während der Saison, üben die Curler vor allem die Steinabgabe, die optimale Technik. «Dabei wollen wir eine wichtige Basis legen, damit der Stein immer sauber rauskommt», erläutert Alexander. Außerdem werden einzelne Spiel-Situationen immer wieder durchgegangen. Beim sogenannten Take-out-Training wird das Wegstoßen eines Steins aus einer guten Position geübt. «Alexander vertraut auf seine eigenen Stärken und denkt immer sehr positiv», lobt sein Trainer Markus Angrick. Das zeichne ihn besonders aus und diese Eigenschaften seien wichtig im Curling.
Viele Fehlstunden gesammelt
Neben dem großen Trainingsaufwand muss sich der 18-Jährige außerdem noch auf sein Abitur vorbereiten, das heuer ansteht. Die Kombination von Schule und Leistungssport sei schon hart, gesteht das ECO-Talent. «Am Wochenende sind wir ja meistens weg und da kommen viele Fehlstunden zusammen.» Den Schulstoff muss Alexander nach den Turnieren nachholen. «Die Schule unterstützt mich dabei sehr. Wenn nötig, bekomme ich immer frei.»
Nach seinem Abschluss im Mai geht Alexander zur Sportfördergruppe der Bundeswehr. Dort bekommt er die Grundausbildung. Danach wird er freigestellt. Durch die Unterstützung der Sportfördergruppe sieht auch sein Trainer Markus Angrick aus Füssen der sportlichen Zukunft seines Schützlings positiv entgegen. «Seine Chancen stehen ganz gut, dass er auch weiterhin vorne mit dabei ist», bestätigt er die gute Form des Nachwuchs-Talents. Nur an der Fitness und der richtigen Technik müsste er noch feilen.
Gute Freunde gefunden
Ans Aufhören hat der Sonthofer aber trotz des Trainingsstresses noch nie gedacht. «Dazu macht es zu viel Spaß», sagt er entschlossen. Er habe sehr gute Freunde im Curling. Außerdem motiviere es ihn, dass er mit seinen Kollegen so viel unterwegs sei, viel erlebe und viele Leute treffen würde. Vor allem in die Schweiz und in Schottland stehen regelmäßig Turniere auf dem Programm. Das Hauptziel in dieser Saison haben Alexander und sein Curling-Team bereits geschafft: Sie wollten erneut - und das zum dritten Mal in Folge - deutscher Meister werden. Doch die Teilnahme an der Junioren-WM ist ihnen in diesem Jahr nicht gelungen. Deshalb geht der Blick nach vorne bereits auf den kommenden Winter: «National haben wir alles gewonnen. Wir wollen jetzt auch international was reißen», sagt Alexander sehr selbstbewusst.