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Immenstadt | Von Sibylle Mettler () | 30.03.2009 00:00 Uhr

«Ein Dolchstoß für die Milchbauern»

CSU-Fachkongress - Landwirte empfangen Minister Aigner und Brunner vor dem Hofgarten mit Protest-Kundgebung - der Andrang ist so groß, dass 300 Besucher nicht mehr eingelassen werden und die Reden vor der Halle an Lautsprechern verfolgen

Andreas Bergwanger aus Obermaiselstein reckt sein Plakat in die Höhe. «Unsere Zukunft - alles vorbei», steht drauf. Das befürchten wohl alle der laut Polizei mehr als 300 Menschen, die sich am Samstagvormittag gleichzeitig vor dem Immenstädter Hofgarten drängen. Sie warten auf Bundes-Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, ihren Landes-Kollegen Helmut Brunner und Generalsekretär Alexander Dobrindt. Die CSU-Spitzenpolitiker wollen mitten im Europa-Wahlkampf mit den aufgebrachten Milcherzeugern über die Zukunft der Bauern diskutieren.
«Ein Dolchstoß für die Milchbauern»

Gruppen von Landwirten aus dem ganzen Allgäu, aber auch einige aus Oberbayern und dem Bayerischen Wald warten schon auf sie. Mit Kuhschellen und Transparenten warnen sie davor, dass der massiv gesunkene Milchpreis sie kaputt mache. Oder, wie es Hanne Stich aus Sonthofen-Walten formuliert: «Wir können nicht mehr weitermachen, wenn sich nichts ändert.» Was sie sich von der Veranstaltung erwartet? «Nichts», sagt die Bäuerin und fügt hinzu: «Aber wir stehen auf und zeigen, dass wir noch da sind.»

Die Landwirte machen den ankommenden Spitzenpolitikern ihren Ärger über die ihrer Meinung nach verfehlte Agrarpolitik deutlich - und ihre Zukunftsangst.

Die geht bei vielen Bauern genauso um wie bei Campact, einer Gruppe von Genmais-Gegnern aus dem ganzen Bundesgebiet, die der Bundes-Ministerin zu jedem öffentlichen Auftritt folgt.

Der Gründer und Geschäftsführer der Bio-Lebensmittelfirma Rapunzel (Legau/Unterallgäu), Joseph Wilhelm, steht als ganz normaler Demonstrant unter einem der vielen Protest-Plakate. «Co-Existenz ist No-Existenz», ruft ein Sprecher von Campact ins Mikrofon. Nach ihm tritt Hans Foldenauer, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) aus Irsee/Ostallgäu, ans Rednerpult.

Foldenauer kritisiert: Es könne nicht angehen, dass die Politiker bei dem Milch-Überangebot gar nicht mehr über eine Mengenbeschränkungen sprächen. «Das ist ein Dolchstoß für die Milchbauern», schimpft er und bekommt von den demonstrierenden Landwirten lautstark Unterstützung. Als die Ministerin ankommt, stellt sie sich den Demonstranten. «Ich habe alles versucht, um eine Erhöhung der Milchquote auszusetzen», sagt Aigner. Das beteuert sie später im Saal noch mehrfach.

Wer ihr draußen zuhört, hat allerdings keine Chance, noch in den Saal zu kommen. Polizeibeamte haben den Eingang aus Sicherheitsgründen längst dicht gemacht. Vom Oberallgäuer CSU-Kreisrat bis zum Dachauer Bauernfunktionär verlangen bei Veranstaltungsbeginn rund 300 Menschen - meist vergeblich - Einlass. «Etliche waren stocksauer, weil sie trotz Einladungskarten nicht mehr rein durften», sagt Polizeihauptkommissar Heinrich Waibel später.

Als Aigner dann über Agrardiesel, Ausgleichszahlungen und die Verdienste der CSU spricht, steht Bernhard Reif mit etlichen seiner Kollegen aus dem Kreis Augsburg immer noch draußen am Lautsprecher, der die Reden überträgt. Wo er bei der Europa-Wahl sein Kreuz macht? «Bisher haben wir immer noch schwarz gewählt», sagt der Landwirt. Auch viele der Bauern, die sich später im Saal zu Wort melden, werden sich als CSU-Anhänger, manche auch als Parteimitglieder, bekennen.

Auf dem Podium bezeichnet es der Allgäuer Staatssekretär im Bundes-Landwirtschaftsministerium, Dr. Gerd Müller, als «Skandal», dass die Butter bei Aldi schon wieder billiger geworden ist. Staatsminister Helmut Brunner spricht später von der Notwendigkeit, den Milchkonsum anzukurbeln. Die Landwirte hören zu - und nicht wenige kippen sich dabei unwissend die servierte Kaffeesahne von Aldi in die Tassen.

Als Europa-Abegordneter und CSU-Agrarexperte Albert Deß verspricht, sich im Fall seiner Wiederwahl weiter gegen das Anbindeverbot von Rindern einzusetzen, beginnt der Saal sich langsam leeren. Und als nach mehr als dreieinhalb Stunden die letzte Wortmeldung abgehandelt wird, sind die vielen Zuhörer, die nicht mehr in den Saal kamen, längst auf dem Heimweg.



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