
Was wirklichen echten Kult ausmacht, konnten die Besucher des fast voll besetzten Festspielhauses am Forggensee am frühen Abend des 1. Weihnachtsfeiertags eindrucksvoll erleben. Die Show „The Blues Brothers“ in der Originalproduktion vom Londoner West End begeisterte den Großteil der Gäste.
Schon beim Anmarsch waren sie nicht zu übersehen, die mit Ausnahme des weißen Hemds vom Hut bis zu den Schuhsohlen komplett schwarz gekleideten Herrn mit betont schmaler Krawatte. Gemessenen Schrittes würdevoll still einherschreitend, erinnerten sie an die Schauspieler und Komiker John Belushi und Dan Aykroyd. Sie waren es, die 1977 in der amerikanischen NBC-Show „Saturday Night Live“ erstmals als „Blues Brothers“ aufgetreten sind.
Mit dem gleichnamigen Kinofilm (Regie: John Landis) schafften sie 1980 den großen Durchbruch, lösten weltweit eine Welle der Begeisterung für Bluesmusik aus. Ihr ganz besonderer Musikstil war die Fusion aus Jazz Sound mit Soul bzw. Blues.
Optisch entsprechen Brad Henshaw als Jake und Daniel Fletcher als Elwood Blues nicht ganz dem legendären Duo. Der eine zwar deutlich größer und schlanker als der Bruder, ist aber auch schon ganz schön bauchig. Entsprechend eingeschränkt zeigen sie sich in ihren tänzerischen Möglichkeiten.
Athletisch beweglich und tänzerisch überaus vielseitig zeigten sich dagegen die drei langhaarigen Bluettes (Krysten Cummings, Janine Johnson, Jocasta Almgill). Eine in blonden Löckchen, die beiden anderen pechschwarz, alle drei kaffeebraun knusprig dunkelhäutig.
Nicht nur ihre exakt synchron und sauber choreographierten Tanzeinlagen bezauberten das Publikum. Ob jung oder alt, dürften die Herren in den ersten Reihen von ihrer Kostümierung viel mehr betört worden sein.
Die tief dekolletierten, engen und silbrig glitzernden Minikleidchen sind kaum mehr zu verkürzen, die Länge der wohlgeformten Beine nicht mehr zu verlängern! Atemberaubend, als sie inmitten eines sakralen Liedes urplötzlich die bodenlangen Nonnengewänder abwarfen, um in aufreizend reizvollen Minikleidern, jetzt in grellen Pink- und Rottönen, weiterzutänzeln.
Das erdrückende Übergewicht vielfältiger musikalischer Elemente, meist lautstark instrumental begleitet und mitreißend schwungvoll bis zu Rock ‘n’ Roll reichend, erschwerte das Erkennen eines Handlungsfadens.
Mit dem Bühnenbild (Wellblechwand ganz hinten, Baugerüst davor, Wolkenkratzer-Silhoutte darüber) wird klar: kleinkriminelle Machenschaften in großstädtischem Hinterhofmilieu Chicagos mit viel Polizeipräsenz. Wohltuend wirkten einzelne balladenhaft ruhig gesungene und elegisch zart von einer E-Gitarre oder Piano begleitete Lieder, wie „Guilty“.
Am Ende nochmals frenetischer Applaus des leidenschaftlich mitgehenden und auch mitmachenden Publikums. Ein zweites Mal der berühmteste aller Kultsongs des Musikspektakels: „Everybody needs Somebody to love!“