Ausgerechnet in der Landeshauptstadt München, wo die Jäger als treue CSU-Wähler bislang ihre Unterstützer wähnten, brauten sich über ihnen mit Änderungen des Waffenrechts, dem Vorschlag, die Untere Jagdbehörde künftig den Landwirtschaftsämtern zuzuordnen, und zuletzt Forderung nach drastisch höheren Abschusszahlen zugunsten des Waldes mehrere Gewitter zusammen. Mit den Freien Wählern mit dem Jäger Hubert Aiwanger an der Fraktionsspitze hätten die Waidmänner im Landtag nun eine attraktive Alternative, drohte Koch unverhohlen.
Die CSU-Landtagsabgeordnete Angelika Schorer, die als stellvertretende Landrätin die Hegeschau eröffnete, sah die Kritik der Jäger bei ihrer Fraktion jedoch an der falschen Adresse. Das Arbeitspapier zum Waffenrecht habe man im Innenausschuss zurückgewiesen.
Den Vorschlag des Rechnungshofs zur Verlagerung der Unteren Jagdbehörde sei ebenfalls von der Politik zurückgewiesen worden und das forstliche Gutachten habe auch die CSU-Abgeordneten verärgert. «Die Abschusszahlen zu erhöhen kann nicht die einzige Lösung sein», sagte die Abgeordnete und warb um weiteren Dialog: «Das Fachwissen und die konstruktive Kritik der Jäger sind sehr wichtig.»
Jedoch bereitet nicht allein die Politik den Jägern Sorgen, wie Kreisvorsitzender Koch weiter ausführte. Auch das veränderte Freizeitverhalten führe zu Problemen, erläuterte er mit Beispielen aus seinem eigenen Revier: Eisklettern bei Flutlicht, nachts von der Ostlerhütte abfahrende Tourengänger und letztens sogar ein Didgeridoo-Spieler beunruhigen das Wild.
Forstdirektor Robert Berchtold beklagte die nach wie vor zu hohen Schäden durch Wildverbiss. «Leider zählen wir auch 2009 zu den schlechtesten Kreisen in Bayern», führte er aus. Nur im Ammergebirge liege man «fast im grünen Bereich». Dabei sei gerade in Zeiten des Klimawandels der Umbau in einem stabilen und standortgerechten Wald extrem wichtig, zumal wegen seiner Schutzfunktion, die der Wald in den Alpen besitzt.