Was Bischof Konrad Zdarsa jüngst in Augsburg bekanntgegeben hat, trifft die Kirchengemeinden im ländlichen Raum hart - etwa die Zentralisierung der Sonntagsgottesdienste oder die mittelfristig angestrebte Fusion von Pfarreien. "Die Angst ist da, dass die Lebendigkeit der örtlichen Gemeinden nicht erhalten bleibt", beschreibt der stellvertretende Dekan und Seeger Pfarrer Alois Linder die Stimmung unter den aktiven Katholiken.
Auch Linder hält Fusionen von Pfarreien im ländlichen Bereich nicht für den richtigen Weg – er befürwortet Pfarreiengemeinschaften, in denen die Kirchenverwaltungen und -pfleger vor Ort bleiben. Weitere solcher Zusammenschlüsse zeichnen sich im Dekanat Füssen – das laut Linder mit dem Dekanat Marktoberdorf fusionieren soll – ab: So wird angeregt, dass Pfronten und Nesselwang eine solche Gemeinschaft bilden.
Pfarrer Linder selbst wird in naher Zukunft die Katholiken in Hopferau, Eisenberg, Zell, Seeg, Rückholz und Lengenwang seelsorgerisch betreuen. Umso mehr schmerzt ihn, dass Wortgottesfeiern am Sonntag nicht mehr zulässig sind. Denn in Seeg und Lengenwang gibt es ihm zufolge 14 aktive Laien, die in der Lage wären, „würdige Feiern“ auszurichten.
Er hofft, dass es im weiteren Reformprozess gelingt, die engagierten Gläubigen weiter stark in das Gemeindeleben einzubinden.
Gemeindeleben ist gefährdet
Die sind momentan ziemlich verärgert: „Als Ehrenamtliche investiert man so viel Zeit und dann wir über unseren Kopf hinweg entschieden“, sagt Gisela Bayrhof aus Rieden: „Da haben die Ehrenamtlichen einfach irgendwann einmal keine Lust mehr.“
Wie sie kritisiert auch der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Trauchgau, Stefan Christa, die geplante Zentralisierung von Sonntagsgottesdiensten: „Richtig wohl fühlt man sich doch nur in der heimischen Kirche. Die Kirche sollte einfach im Dorf sein. Die Reform ist eine Gefährdung für Gemeindeleben und -kultur.
“ Er ist auch aus einem anderen Grund verärgert: „Dass den Laien so wenig Mitbestimmungsrecht eingeräumt wird, ist mir schleierhaft. Seit 30 Jahren bin ich nun im Pfarrgemeinderat, aber die aktuelle Entwicklung ist demoralisierend.“
Sauer ist auch der Füssener Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Sailer: „Erst hat man mit den Laien ewig diskutiert und dann bekommt man nach dem Motto „Friss oder stirb“ so was vorgesetzt.“ Er habe das Gefühl, die ganze Arbeit sei umsonst gewesen: „Keiner weiß, ob man Laien und Pfarrgemeinderäte noch braucht – alles wurde über den Haufen geworfen.“ Einen „diktatorischen Führungsstil“ wirft Annemarie Mayer, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Seeg, dem Bischof vor: „Je mehr er von oben verordnet, ja sogar verbietet, umso mehr wird unten weg brechen.
“ Dennoch will sie sich mit noch mehr Engagement für eine lebendige Pfarrgemeinde einsetzen. „Jetzt erst recht!“
Ihre Kollegin aus Pfronten, Christel Kaltenbach, sieht auch Sachzwänge: „Die Kirchenreform wird sich nicht umgehen lassen – leider. Dass wir zu wenige Priester haben, ist nun einmal so.“ Zu den zentralen Gottesdiensten könne man ja für Jung und Alt Transportmöglichkeiten wie einen Bus finden.
Ihre eigentliche Sorge gilt dem Gemeindeleben: „Ich möchte nicht, dass es auf der Strecke bleibt, gerade die Veranstaltungen und Angebote für Senioren.“ Was Kaltenbach aber versöhnlich stimmt, ist, „dass wir uns frühzeitig mit der Reform auseinandersetzen können“. Und sie setzt auf den Faktor Zeit: „Hoffen wir einfach, dass es nicht so schnell zu einer Umsetzung kommt.“