Stricken kommt wieder in Mode
Die immer größer werdende Farbauswahl und moderne Vorlagen machten Selbstgestricktes auch bei jungen Menschen wieder hoffähig, bestätigt Adelinde Schall. Was die fleißigen Frauen am Samstag produzierten, wärmt aber nicht sie selbst oder die Verwandtschaft, sondern früh geborene Babys. Der „Welttag des Strickens“, der heuer erstmals auch im Ostallgäu begangen wird, unterstützt in diesem Jahr die private Initiative „Stricken für Frühchen“. Ihr Ziel: Kliniken mit qualitativ hochwertigem Selbstgestrickten zur Ausstattung der „Frühchen“ zu versorgen. Dieser gute Zweck überzeugte auch Adelinde Schall, mit der Nesselwanger Leinenstube beim Stricktag mitzumachen und die Teilnehmerinnen mit Wolle zu versorgen.
Die genießen es unterdessen sichtlich, ihrem Hobby im Kreise Gleichgesinnter frönen zu können und schwören auf dessen entspannenden Effekt. „Der meditative Charakter des Strickens ist neuerdings bewiesen“, sagt Adelinde Schall. In Waldorfschulen würden Achterbewegungen, wie sie auch die Hand der Strickerin vollführt, gezielt für die innere Harmonie eingesetzt. Wellness pur also. Fragt sich nur, warum die meisten Männer noch den Griff zu Nadeln und Wolle scheuen.
Einer zumindest ist auch am Samstag dabei: Stefan Hiel hat in „Rosis Nähkästchen“ in Pfronten wieder einmal die Rolle des „Hahns im Korb“ - und ein wenig Sorgen, dass das bekannt wird: „Da darf ich mir am Montag im Geschäft wieder was anhören ...“ Aber warum sollte sich nicht auch ein Mitarbeiter eines Maschinenbauunternehmens beim Stricken entspannen dürfen.
Seit vier Jahren greift er immer wieder zu den Nadeln, um auf Anforderung oder nach Bedarf Schönes und Praktisches für sich und die Verwandtschaft zu fertigen - und nach der Hektik im Betrieb abzuschalten. Auch Ulrike Scholz, Mitarbeiterin bei der Stadt Füssen, schätzt es sehr, abends so den Kopf wieder leer zu bekommen, wie sie erzählt.
Gesuchte Kappe selbst gestrickt
Teresa Geisenhofer, die Jüngste der Runde, die sich bei Rosi Raiser zusammengefunden hat, fand unterdessen erst vor kurzem aus praktischen Gründen zum Stricken. „Ich wollte im Winter eine Kappe ganz nach meinen Vorstellungen haben“, erzählt sie. Und weil es die nirgends zu kaufen gab, begann die Mama damit, sie zu stricken, ehe die Tochter übernahm.