Ganz minimalisiert ist die Bühnenausstattung, bestückt nur mit einigen Stühlen, einer Bank und einem Richterpult, das innerhalb der Szene seine Dominanz verliert und, wie die Macht des Richters, immer kleiner wird. Alles in Grautönen bis ins Schwarze. Ebenfalls in diesen Farben die Kostüme der sieben Mimen, mit großen weißen Kragen, die wie Scheuklappen den Kopf nahezu umschließen.
Sprache im alten Versmaß
Die Inszenierung des Stückes ist Frank Piotraschke großartig gelungen. Auch die Ideen zu den Kostümen kommen von ihm, bestens umgesetzt von Kostümbildnerin Ursula Blüml. Beeindruckend auch die alte Sprache in Versmaß gebracht, derer sich die Darsteller bedienen müssen. Kleist schrieb das Stück kurz vor seinem Tod im Jahr 1811.
Der Stein des Anstoßes
Obwohl im Recht, scheint Frau Marthe (Maike Frank) trotz ihrer eindrucksvollen Ausführung über den zerbrochenen Krug vor dem kleinen Dorfgericht keines zu bekommen. Zu sehr ist der unsympathische, widerliche Dorfrichter Adam (Knut Fleischmann) in den Fall verwickelt. Sein Ausspruch «Jeder trägt den Stein des Anstoßes in sich selbst» hat damals wie heute Gültigkeit. War er nicht in der fraglichen Nacht bei der Tochter Eve (Judith Mirjam Bopp) zu einem Schäferstündchen gewesen, hatte den Krug zerbrochen und war über das Blumenspalier geflüchtet? Oder wollte er nur Gutes, den Verlobten von Eve vor einem Militäreinsatz retten? Natürlich gegen eine kleine «Dienstleistung».
Der dem Dorfrichter Furcht einflößende Gerichtsrat Walter (Mario Lohmann) agierte überlegen, aber nicht überheblich, und überließ es Adam, sich selbst zu richten. Den einfachen Bauernburschen Ruprecht weiß Felix von Frantzius bestens zu mimen, so einfältig und einfach vermeldet er auf Drängen des Gerichtsrats, was er des nächtens erlebt habe. Kann er seiner Eve noch trauen? Auch Frau Brigitte (Astrid Polak), eine alte Tratsche, hat möglicherweise den Belzebub gesehen - oder vielleicht doch nicht? Aber das Beweisstück in ihren Händen spricht Bände. Es ist eine Perücke, wie sie dem Richter fehlt.
Ganz akkurat verzeichnet Gerichtsschreiber Licht (Andreas Peteratzinger) verschmitzt, oft hinterlistig sämtliche Vorgänge. Zu seinem eigenen Vorteil vielleicht? Denn auch er scheint tief verstrickt in all das Chaos um die ehrbare Gerichtsbarkeit. So hat fast jeder der Protagonisten Wünsche, Hoffnungen, Träume und auch Albträume, die großartig herausgespielt wurden.
Viele Vorhänge
Ist das Ganze nun ein böser Traum oder ein Albtraum gar? Anfang- und Schlussbild gleichen sich - Richter Adam im Nachthemd schlafend auf der Bank. Viele «Vorhänge» mit viel Applaus ernteten die Dinkelsbühler.