Geboren wurde Wendelin Fichtl in Lechbruck im Jahr 1925. Mit gerade einmal 21 Jahren wurde er zur Arbeit in den Stabsdienst nach Mittenwald einberufen. Nach Auflösung der Verwaltungseinheit wurde er zum Kriegsdienst herangezogen. Eines Tages wurde er gefangen genommen.
In amerikanischer Kriegsgefangenschaft wurde er zunächst nach Deutschland zurückgebracht, von da aus aber Richtung Osten verschleppt und landete als Gefangener in Russland. Im Juli 1946 verstarb er dort in einem sowjetischen Hospital.
Diese etwas verschwommenen Angaben waren die einzigen, die der Familie bis heute bekanntgemacht wurden, erklärt Rudhart Fichtl aus Lechbruck, der zehn Jahre jüngere Bruder des Verstorbenen. Er erinnert sich noch genau: „Eines Tages kam der Lechbrucker Pfarrer in unser Haus und meine Mutter fiel mit einem lauten Schrei zusammen.
“ Die Mutter wusste damals genau, dass sie ihren Sohn nie mehr wieder sehen würde, er verstarb im fernen Russland. „Wir hatten es damals überhaupt nicht verstanden, warum man die Gefangenen überhaupt ausliefert“, weiß Rudhart Fichtl heute noch genau. Aus einigen wenigen Briefen des Bruders oder von dessen Kameraden hatten sie nur erfahren, dass er gefangen war.
Jahre der Ungewissheit für die Angehörigen zu Hause
Mit dem Wissen um den Tod des geliebten Sohnes und Bruders vergingen nach Ende des Krieges viele Jahre der Ungewissheit.
Nach langer Zeit versuchte Rudhart Fichtl, sich näher über die letzte Ruhestätte des Bruders zu informieren und schrieb an mehrere Stellen, die sich mit dem Verbleib von Kriegsopfern beschäftigen. 2001 erhielt er einen Brief aus Berlin und 2008 eine Akte vom Roten Kreuz.
In beiden Dokumenten wurde ein Dorf in der Ukraine als letzter Aufenthalt angegeben. Dort vermutete man auch seine Ruhestätte, Näheres war nicht bekannt. Erst vor einigen Tagen bekam Fichtl ein Schreiben aus der Ukraine überreicht.
Valery Korobeynyk aus dem Bezirk Kobeljaky im Gebiet Poltawa hatte sich an unsere Zeitung gewandt: Er habe zufällig herausgefunden, dass ein Kriegsgefangener namens Wendelin Fichtl „in unserem deutschen Friedhof begraben“ sei. Korobeynyk ergänzte, dass der Tote aus Lechbruck stamme. Er wollte wissen, ob es noch Angehörige gab.
Persönlicher Gruß an toten Bruder in der Ukraine geplant
Nach den vielen Jahren der Ungewissheit weiß Rudhart Fichtl nun mehr über das Schicksal seines Bruders. Es befriedigt ihn auch gewissermaßen, endlich die genaue Ruhestätte seines Bruders zu wissen.
Deshalb hat er sich auch fest vorgenommen, möglichst bald dort einen Besuch abzuhalten, um seinem vor über 65 Jahren verstorbenen Bruder einen persönlichen Gruß zu übermitteln.