Ludwig II. - ein Irrer? Dem widersprechen mit Vehemenz der frühere Schlossverwalter Julius Desing oder auch Ludwig Kirzinger, Arzt und Psychotherapeut vom Starnberger See, indem sie Quellen suchen und sorgfältig auswerten, die zu einer Rehabilitation des Königs führen könnten. Dabei wird immer klarer, dass Ludwig II. unter keiner Geisteskrankheit litt, sondern Opfer von Machtinteressen wurde. Das war damals ein «Staatsstreich», heißt es im Freundeskreis, der dank Hildegard Afsali aus Ebersberg in der Nachfolge von Sandra Borkowsky eine neue Organisationsleiterin gefunden hat.
Kirzinger übernahm die Aufgabe, beim jetzigen Treffen in Füssen die Vorträge zu eröffnen. Er schlüpfte vor den Zuhörern im «Braustüberl» nicht in die Professoren-Rolle, die den hohen Katheder verlangt. Der Referent sieht seine von Sympathie getragene, allerdings immer auch offen-kritische Beschäftigung mit Ludwig II. «als Lebensaufgabe» an. Er nähert sich dem Thema «Ansichten der Psychiatrie über König Ludwig II.» mit dem Gespür, das Gutachter vermissen lassen, die nur nach der Aktenlage urteilen. Kirzinger: «Aber der Mensch, seine Beziehungen und das nächste Umfeld sind immer von entscheidender Bedeutung, um mögliche Erkrankungen diagnostizieren zu können.»
Herzlicher Applaus
Höhepunkt des mit herzlichem Applaus belohnten Vortrags war die abschließende Rezitation eines Gedichts, in dem einfach und ausdrucksstark Ludwigs Weg beschrieben wird, das von Markus Schmitt stammt, wie Hildegard Afsali am Rande der mehrtägigen Veranstaltung erklärte: «Den jungen Theologen aus München, dem eine wissenschaftliche Arbeit über Ludwig II. und das Christentum zu verdanken ist, werden wir als Referenten zu unserem nächsten Treffen einladen, das wieder in Füssen stattfindet.»
Dem König wird am Sonntag zu seinem 124. Todestag um 18 Uhr in St. Coloman gedacht.
Wie inspirierend er weiterhin wirkt, zeigten auch die Bilder der Augsburgerin Beate Borgmann, die ihre Werke zum Treffen ins «Bräustüberl» mitgebracht hatte und damit eine sehenswerte Zugabe zu den Ausführungen und Diskussionen anbot. (ha)
Heute referiert die Buchautorin Dr. Martha Schad über «Marie Prinzessin von Preußen, Königin von Bayern» - die Mutter von Ludwig und Otto. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Komedi-Haus im ehemaligen Kloster St. Mang (Eingang über die Stadtbibliothek).