Erichsen betonte bei der Amtseinführung, dass durch den Besucheransturm auf die weltweit bekannte Attraktion «die Reizschwelle ziemlich niedrig liegt». Es gelte, die Leute bei Laune zu halten. Er glaube jedoch, dass Hubert Nikol, der erste Allgäuer Schlossverwalter von Neuschwansteins, dafür die richtigen Voraussetzungen mitbringe - «auch durch den schwäbischen Vorzug, zuhören zu können.»
Reiser geht nach vier Jahren und einem Monat als Schlossherr in den Vorruhestand - «verdientermaßen nach 45 Jahren im öffentlichen Dienst», wie der 62-Jährige betont. Er bedauert, dass damit seine Zeit auf dem Märchenschloss endet.
Märchenhaftes hat er dort erlebt: Die Besucherströme und die Prominenz aus aller Welt oder die knapp gescheiterten Bemühungen, mit dem Schloss in die Liste der «Sieben neuen Weltwunder» zu gelangen. Nicht zu vergessen die Bestrebungen um die Verkehrsberuhigung von Hohenschwangau, um Neuschwanstein mit seiner Umgebung zu einem offiziellen Weltkulturerbe zu machen. Sei die Zusammenarbeit mit Gemeinden, Ämtern und Verbänden im Ostallgäu fast immer angenehm verlaufen, so erlebte er auch das Gegenteil - einzelne Besucher etwa, die sich als König aufspielten, oder als königliche Erben «ihr Schloss» in Besitz nehmen wollten.
Dem scheidenden Schlossverwalter dankte auch Schwangaus Bürgermeister Reinhold Sontheimer für die gute Zusammenarbeit. Reiser betrachtet diese Jahre als «seine schönste Zeit». Sicher gebe es historisch bedeutendere oder kunstvoller ausgestattete Schlösser in Deutschland - doch die Gesamtheit von Schloss und Umgebung sei einmalig. Das begründe wohl auch, dass die Besucherzahlen auf Neuschwanstein steigen, während sie bei den meisten anderen deutschen Schlössern zurückgingen. Reiser, der auch weiterhin in seinem Heimatort Oberammergau lebt, betonte schließlich: «Ich war sehr gerne im Schloss und im Ostallgäu. Meinem Nachfolger wünsche ich eine gute Hand und viel Glück für diese nicht immer einfache Aufgabe». (pas)