Die Zehn- bis Zwölfjährigen nehmen am Workshop der Gleichstellungstelle zum Thema «Was ist los in meinem Körper?» teil. Mehrmals jährlich bietet der Kemptener Ortsverband von pro familia, die Jugendliche und Erwachsene in Fragen rund um Sexualität, Beziehung und Familie berät, sexualpädagogische Seminare im Ostallgäu an.
Sozialpädagogin Andrea Dröber, die den Workshop leitet, betont, wie wichtig das Vertrauen der Mädchen ist: «Ich nehme mir viel Zeit, die Teilnehmerinnen kennenzulernen und erzähle auch Vieles von mir.»
Von Pickeln und Herzklopfen
Noch sind die Mädchen schüchtern. Alle befinden sich bereits in der Pubertät, da sind auf einmal ganz andere Themen wichtig: Pickel, Haarwuchs, die erste Periode, Herzklopfen und Verliebtsein. Dröber beginnt damit, das hormonelle Chaos, das gerade in den Körpern herrscht, zu erklären. Die Teilnehmerinnen fassen langsam Mut und stellen Fragen. «Wie benützt man ein Tampon?», will eines der Mädchen wissen und kaut nervös an den Fingernägeln. Andrea Dröber ist es wichtig, die Themen bildlich darzustellen, um Hemmungen abzubauen. Sie hat Modelle der Eizelle und der Samenzelle dabei, zeigt Tampons, Binden und Kondome.
Die Anonymität spielt bei dem Treffen eine wichtige Rolle. Die meisten Mädchen kennen sich weder untereinander, noch die Sozialpädagogin. «Heute haben sie endlich mal die Chance, alle Fragen und Probleme loszuwerden, über die sie nicht mit Eltern oder Lehrern sprechen wollen», erklärt Dröber. Darin sieht auch Heike Krautloher, die Organisatorin und Gleichstellungsbeauftragte des Ostallgäus, den Wert: «Wenn die Mädchen später einmal ein Problem haben, können sie sich an die Referenten, die sie dann schon kennen, wenden.» Für Krautloher leistet die Veranstaltung einen wichtigen Beitrag zur Prävention von frühzeitiger Schwangerschaft.
Die Teilnehmerinnen sind inzwischen offener und redefreudiger geworden. Sie stellen Fragen und erzählen. Ihre Blicke werden fester, ihre Schuhspitzen und Hände ruhiger. Sie sind erleichtert, Gehör für ihre Sorgen und Fragen gefunden zu haben. Und als sie die Schule verlassen, fühlen sich zum ersten Mal ein wenig stolz, schon bald kein Mädchen mehr, sondern eine junge Frau zu sein.