«Die Verbraucher sollten wieder mehr zu regionalen Produkten greifen», schilderte Reggel und warnte vor immer mehr gepanschten Lebensmitteln. Unter dem Motto «Alles Käse, oder was?» ging es aber nicht darum, industriell gefertigte Lebensmittel - wie zum Beispiel den Analogkäse - schlecht zu reden, sondern den Verbraucher über die Vorzüge der heimischen Milchprodukte zu informieren.
Elisabeth Hiepp vom Amt für Landwirtschaft und Ernährung referierte auch über den Analogkäse, der statt Milch aus Öl gefertigt wird und dessen vermeintliche Vorteile nicht nur in den Kosten, sondern auch in der industriellen Verarbeitung liegen: «Denn dieser kann bei der Verarbeitung auf bis zu 400 Grad Celsius erhitzt werden.» Doch im Analogkäse sei eben keine Milch, über die Hiepp teils wissenschaftlich, aber auch mit ganz praktischen Tipps in ihrem heimischen Dialekt ausführte.
Sie erklärte zum Beispiel, warum Käse nach dem Essen sinnvoll ist: «Durch die Speichelbildung und den Calciumanteil der Milch werden zum einen die Zähne geschützt, zum anderen verzögert der Käse die Magenentleerung, was zu einer nachhaltigeren Sättigung führt.» Etwas kritischer bewertete sie die sogenannten «probiotischen Produkte». Diese könnten zwar bei regelmäßiger Einnahme durch ihre bessere Säureresistenz vermehrt im Darm wirksam sein, jedoch ist diese positive Wirkung nicht unbedingt ausschlaggebend. Hiepp hatte dafür in ihrem Dialektwortschatz eine sehr treffende Beschreibung: «Ka ma, muaß ma aber it nemma.»
Auch gab Hiepp praktische Ratschläge zur Lagerung von Käse, der am besten im Käsethekenpapier aufgehoben werden soll «da hier die Feuchtigkeit erhalten bleibt, ohne die Luft zu nehmen». Auch riet sie allgemein dazu, nicht immer fettarme Milchprodukte zu erwerben, «denn im Milchfett befinden sich wichtige Schlüsselvitamine wie A, D, E und K sowie Vitamin B2, das für die Nerven sehr wichtig ist». Auch riet sie, bei einem erhöhten Cholesterinwert wegen der positiven Eigenschaften nicht zum völligen Verzicht auf Butter, sondern zur Fettreduktion im Allgemeinen.
Wissenswert waren hier auch kleine Kuriositäten am Rande. So zum Beispiel die Antwort, warum Milch überkocht. Hiepp erklärte, dass sich die Molkeproteine schon bei 74 Grad aus der Milch lösen und eine Haut bilden, unter der das verdampfende Wasser einen Druck aufbaut, der die Milchhaut dann plötzlich anhebt und schlagartig überkochen lässt.
Karin Weber überreichte Hiepp einen großen Milchkrug und dankte auch für die Unterstützung vom Landwirtschaftsamt. Als besonderen Höhepunkt des Abends gab es zum Abschluss ein Allgäuer Schlemmerbuffet, das in einer großen Vielfalt Allgäuer Schmankerl für die Besucher bot. Und das auch ausreichend üppig, da das Weichter Lagerhaus an diesem Abend bis auf den letzten Platz gefüllt war.
Weitere Informationen und Artikel zu den Herbstmilchwochen gibt es im Internet unter
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